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Weiß- und Braunfäulepilze

Stereum gausapatum, Eichenschichtpilz, ein Weissfäulepilz © Dirk Hoffmeister

Basidiomyceten (meist Arten des Unterstammes Agaricomycotina) sind die einzigen bekannten aeroben Mikroorganismen, die im Stande sind, Holz abzubauen. Dieses Material besteht hauptsächlich aus Cellulose und Hemicellulose. Beide Polysaccharide sind mit Lignin durchsetzt. Lignin selbst ist ein dreidimensionales Netzwerk aus Phenylpropanoiden. Der resultierende Polymerverbund ist das am häufigsten vorkommende und widerstandsfähigste organische Material der Welt.

Fomes fomentarius, Zunderschwamm, ein Weissfäulepilz © Dirk Hoffmeister

Weißfäulepilze, wie Phanerochaete chrysosporium, bauen als erstes Lignin ab. Dabei hinterlassen sie ein helles, faseriges Material (daher der Name Weißfäule), das größtenteils aus kristalliner Cellulose besteht. Um den Abbau von Lignin zu ermöglichen, sekretiert das Myzel des Pilzes eine besondere Konstellation an Enzymen. Mittels typischer Lignin-abbauender Enzyme, wie Ligninperoxidase, Manganperoxidase und Phenolperoxidasen vom Laccase-Typ, gedeihen Basidiomyceten selbst auf stark verholzten Pflanzenmaterialien. Umweltkontaminanten, wie polychlorierte Biphenyle, Pentachlorphenol oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, werden ebenfalls abgebaut, wenn ihre Struktur der von Lignin ähnelt. Basidiomyceten sind damit entscheidend an der Mineralisierung des Erdreiches und am Kohlenstoffkreislauf beteiligt.

Calocera viscosa, Klebriger Hörnling, Braunfäulepilz © Dirk Hoffmeister

Braunfäulepilze, wie Piptoporus betulinus (Birkenporling; dessen Fruchtkörper der berühmte Eismensch Ötzi mit sich trug), zersetzen vorzugsweise den Polysaccharid-Anteil des Holzes und produzieren keine signifikante Menge an Lignin-abbauenden Enzymen. Sie hinterlassen einen braunen, Lignin-reichen Rückstand, nach dem sie benannt wurden.